Korbflechten aus Weide
von Damaris
Material, Techniken und Ursprung des Korbflechtens
Korbflechten mit Weide zählt zu den ältesten Handwerken der Menschheit und erlebt heute eine neue Aufmerksamkeit. Wenn du einen Korb selbst flechten möchtest, brauchst du vor allem das richtige Material, passende Werkzeuge und ein Verständnis für den Ablauf des Flechtens. In diesem Beitrag erfährst du, welche Weiden sich eignen, wie ein Korbboden entsteht, wie die Staken aufgestellt werden und wie du die Wände in Spiraltechnik flechtest.
Ob du dich erstmals an das Korbflechten wagst oder dein Wissen vertiefen möchtest – hier findest du eine verständliche Anleitung Schritt für Schritt.
Was ist Korbflechten?
Korbflechten ist ein Handwerk, bei dem, meist aus Weidenruten, Körbe geflochten oder repariert werden.
Wie hat sich Korbflechten entwickelt?
Korbflechten ist eines der ältesten Handwerke der Menschheit. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass geflochtene Materialien bereits vor über 10.000 Jahren genutzt wurden und damit sogar älter sind als keramische Gefäße. Schon in der Steinzeit flochten Menschen bereits Binsen, Rinden und Weiden um Reusen, Matten und Körbe herzustellen.
Mit dem Übergang zu sesshaften Lebensformen gewann das Flechten weiter an Bedeutung. Wände wurden aus Zweigen geflochten und anschließend mit Lehm und Stroh bestrichen. Die Römer betrieben ebenfalls hochentwickelten Weidenanbau, um unter anderem Körbe und Möbel herzustellen.
Die Korbflechterei entwickelte sich im Laufe der Zeit zu industriellen Betrieben, in denen Gebrauchskorbwaren in Serie hergestellt wurden und das Flechten von Körben per Hand, verlagerte sich in den Bereich des Kunsthandwerks.
Und auch wenn es heute noch viel mehr andere Möglichkeiten gibt, die Lebensmittel vom Wocheneinkauf nach Hause zu bringen, sind wieder immer mehr junge Leute an Körben interessiert. Weg vom Plastikteil, hin zum traditionell handgeflochtenen, nachhaltigen Korb.
Korbflechten ist vielseitig und bewegt sich sowohl im professionell organisierten Handwerk als auch im
künstlerisch-kreativen Kunsthandwerk.
Grundlagen und Techniken des Korbflechtens
Beim Korbflechten kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz, die je nach Form, Stabilität und gewünschtem Ausdruck gewählt werden. Zu klassischen Techniken zählt das Schichtgeflecht, bei dem Weiden gleichmäßig Lage für Lage geführt werden. Eine weitere Technik ist das Zäunergeflecht, bei dem die Ruten abwechselnd um stehende Stäbe (Staken) geflochten werden.
Grundsätzlich wird beim Korbflechten zwischen dem freien Flechten und dem Flechten mit Boden unterschieden. Beim freien Flechten, etwa bei Schwingen, beginnt man mit einem flexiblen Gerüst aus Bögen. Dies ermöglicht organische Formen und große gestalterische Freiheit.
Beim Flechten von Körben mit Boden wird zuerst ein stabiler Korbboden erstellt. Danach werden die Staken aufgestellt und daran nach oben geflochten. Diese Vorgehensweise führt zu festen, gelichmäßigen und sehr stabilen Körben.
Korbflechten erfordert Geduld, Aufmerksamkeit und ein Gefühl für das Material. Wer einen gleichmäßigen Rhythmus findet, erlebt das Flechten oft als ruhig und konzentriert. Viele unserer Kurstteilnehmer*innen empfinden die wiederholenden Bewegungen als meditativ und kommen während der Arbeit in einen entspannten, fokussierten Flow.
Materialien und Werkzeuge fürs Korbflechten
Körbe lassen sich aus vielen verschiedenen Naturmaterialien flechten. Wichtig ist, dass das Material ausreichend biegsam ist und sich formen lässt, ohne zu brechen. Geeignet sind unter anderem Weidenruten, Haselzweige, Peddigrohr, Rattan, Schilf, Binsen oder verschiedene Gräser.
In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf das Korbflechten mit Weide, da sie zu den klassischen und vielseitigsten Materialien im Korbmacherhandwerk zählt.
Welche Werkzeuge werden beim Korbflechten benötigt?
Für das Korbflechten werden nur wenige, aber spezielle Werkzeuge verwendet. Dazu gehören:
· Korbmacherschere aus Stahl zum sauberen Kürzen der Ruten
· Pfriemen (verschiedene Größen) zum Öffnen und Weiten des Geflechts
· Weidenschäler zum Entrinden frischer Weiden (optional)
· Korbmachermesser für präzise Schnitten
· Schlageisen zum Festigen und Verdichten des Geflechts
· Säge oder Astschere für stärkere Staken
· Seitenschneider zum Abschneiden fester Enden
· Sprühflasche mit Wasser zum Befeuchten der Ruten während des Flechtens
(Anmerkung: Bei Workshops im Werkgut werden nur Rosenscheren, ein scharfes Taschenmesser z.B. von Opinel und ggf. ein schwerer Klüppel o.Ä. als Schlageisen benötigt)
Korbflechten Schritt für Schritt:
VORBEREITUNG DES MATERIALS
Um mit Weidenruten zu flechten, musst du diese zuerst biegsam machen. Dafür weichst du die Weidenruten einfach in Wasser ein. Geschälte Weidenruten brauchen nur ca. 2 Stunden. Ungeschälte Weiden benötigen deutlich länger und sollten etwa 1-2 Wochen gewässert werden, abhängig von der Frische der Zweige.
Nach dem Wässern nimmst du die Ruten aus dem Wasser und lässt sie über Nacht in einer Plane oder feuchten Tüchern ziehen. In dieser Ruhephase verteilt sich die Feuchtigkeit gleichmäßig im Material, wodurch die Weiden gut biegsam und bruchsicher werden. Auch während des Flechtens, sollten die Weideruten immer feucht bleiben. Dafür hältst du am besten deine Sprühflasche mit Wasser, während des Flechtens, bereit.
DER KORBBODEN
1. Das Kreuz vorbereiten
Nimm vier Weidenruten und schneide mit einem scharfen Messer in der Mitte jeder Rute einen Schlitz. Der Schlitz sollte so breit sein, dass vier weitere Weidenruten hindurchpassen.
Fädle nun vier weitere Ruten durch diese Schlitze, ähnlich wie einen Faden durch ein Nadelöhr. Die acht Ruten liegen nun rechtwinklig zueinander und bilden ein Kreuz. Diese Grundstruktur nennt man Stakenkreuz. Die einzelnen Ruten werden später als Staken bezeichnet und bilden das tragende Gerüst des Korbes.
2. Mit dem Bodenflechten beginnen
Die ersten zwei Ruten legst du einmal unter den vier Staken und dann über die nächsten vier Staken herum. Das wieder holst du noch einmal um ein festes Grundgerüst zu haben.
Nun beginnst du, einzelne Weidenruten zwischen den Staken hindurch zu flechten.
Führe eine Rute abwechselnd über und unter den Staken entlang, sodass jede Stake mitgenommen wird. Du arbeitest also im einfachen Wechsel: einmal über, einmal unter. Achte darauf, die Weide gleichmäßig zu spannen, damit der Boden stabil und rund wird.
Nimm die nächste Rute und flechte im gleichen Muster weiter. Wichtig ist, dass du den Wechsel beibehältst, damit sich das Geflecht sauber schließt und keine Lücken entstehen.
3. Den Rhythmus fortsetzen
Arbeite dich so einmal rund um das Stakenkreuz. Wenn du wieder am Ausgangspunkt angekommen bist, flechtest du im selben über/unter-Rhythmus weiter.
Füge nach Bedarf neue Ruten und auch Staken hinzu, indem du sie überlappend in das bestehende Geflecht einarbeitest. So entsteht nach und nach ein dichter, stabiler Korbboden aus Weide.
Den Durchmesser des Bodens bestimmst du selbst, je nachdem, wie groß dein Korb werden soll.
AUFBAU DER SEITENWÄNDE
4. Staken einziehen und aufstellen
Sobald dein Korbboden den gewünschten Durchmesser erreicht hat, ziehst du zusätzliche Staken ein. Diese werden gleichmäßig im Boden verteilt und bilden das tragende Gerüst für die Seitenwände.
Anschließend biegst du alle Staken vorsichtig nach oben. Damit sie während des Flechtens stabil bleiben, bindest du sie möglichst weit oben locker zusammen. Dafür eignet sich zum Beispiel eine flexible Weidenrute. So bleiben die Staken in Position, ohne dass sie beschädigt werden.
5. Die Korbwände in Spiraltechnik flechten
Für die Seitenwände arbeiten wir mit der Spiraltechnik nach Klaus Titze. Diese Technik verleiht dem Korb eine plastische, gedrehte Struktur und unterscheidet sich deutlich vom einfachen über/unter-Geflecht des Bodens.
Nimm drei bis vier kräftige Weidenruten in die Hand. Drehe sie zunächst fest in sich ein, sodass eine stabile, leicht spiralförmige Einheit entsteht. Während du die Ruten eindrehst, flechtest du sie gleichzeitig um die aufgestellten Staken.
Im Gegensatz zum Boden arbeitest du hier im Dreierrhythmus:
Du führst das gedrehte Bündel an einer Stake vorbei, überspringst anschließend drei Staken und führst es an der nächsten wieder vorbei. Dieses Muster wiederholt sich rund um den Korb.
Arbeite gleichmäßig und halte Spannung auf dem Material, damit eine klare Spiralbewegung entsteht. Füge bei Bedarf neue Weidenruten hinzu, indem du sie sauber in das bestehende Geflecht einarbeitest. So wächst die Wand spiralförmig nach oben.
ABSCHLUSS UND RANDGESTALTUNG
6. Die Abschlusskante für deinen Korb flechten
Sobald dein Korb die gewünschte Höhe erreicht hat, wird die Abschlusskante gearbeitet. Sie sorgt für Stabilität und verleiht dem Korb einen sauberen, handwerklich klaren Rand.
Für den Abschluss arbeitest du mit den nach oben stehenden Staken. Je zwei nebeneinanderliegende Staken werden gemeinsam weitergeführt.
Lege zwei benachbarte Staken nach vorne um und führe sie hinter die nächsten beiden stehenden Staken. Dabei überspringst du also zwei Stakenpaare und legst dein Paar dahinter ab. Ziehe die Ruten dabei gleichmäßig an, damit ein fester, sauberer Rand entsteht.
Anschließend nimmst du die nächsten zwei aufrechtstehenden Staken und wiederholst den Vorgang im gleichen Rhythmus. Arbeite dich so einmal rund um den Korb, bis alle Staken ineinander verflochten sind.
7. Überstehende Enden sauber kürzen und einarbeiten
Zum Abschluss kontrollierst du deinen Korb von außen und innen auf überstehende Enden der Weidenruten.
Alle Ruten, die über den Rand hinausstehen oder im Inneren des Korbes sichtbar sind, werden nun vorsichtig gekürzt. Verwende dafür ein scharfes Korbmachermesser oder einen Seitenschneider. Schneide die Enden leicht schräg ab, sodass sie sich unauffällig in das Geflecht einfügen und keine harten Kanten entstehen.
Achte darauf, die Ruten nicht zu kurz zu schneiden. Idealerweise werden die Enden so eingekürzt, dass sie noch im Geflecht Halt finden und sich nicht lösen können. Drücke sie bei Bedarf mit einem Pfriem oder Messer vorsichtig in das Geflecht zurück.
Kontrolliere abschließend den Rand und die Innenseite des Korbes mit der Hand. So stellst du sicher, dass keine spitzen Enden hervorstehen und dein Korb stabil und sauber verarbeitet ist.
VOM EIGENEN EXPERIMENT ZUM WORKSHOP IM WERKGUT
Vielleicht möchtest du Korbflechten nicht nur allein ausprobieren, sondern dir Zeit nehmen unter professioneller Anleitung zu arbeiten und neue Techniken kennenlernen? Im Werkgut findest du dafür den passenden Ort. Unsere Workshops verbinden handwerkliche Praxis mit konzentrierter Arbeit in besonderer Umgebung.
Was lerne ich im Workshop Korbflechten mit Klaus Titze im Werkgut?
Im Korbflechten Workshop im Werkgut entdeckst du gemeinsam mit Klaus Titze eine neue Form des Korbflechtens. Im Mittelpunkt steht die von ihm entwickelte Spiraltechnik.
Du arbeitest mit mit dünner, biegsamer, unbehandelter Weide und entwickelst ein Gefühl für das Material. Klaus zeigt dir das Verdrehen, Zustecken und Formen der Weidenruten in spiralförmigen Bewegungen, vergleichbar mit dem Aufbau eines kräftigen Taus. Unter seiner Anleitung gestaltest du einen eigenen Korb oder ein kunstvolles Flechtobjekt.
Von wem wird der Workshop Korbflechten geleitet?
Der Künstler Klaus Titze führt dich in die Welt des Flechtens ein. Klaus lebt und arbeitet seit über 25 Jahren auf der dänischen Insel Møn. Seine kunstvollen, teils großformatigen Flechtinstallationen sind in Berlin, Dänemark und Spanien zu sehen. Die von ihm entwickelte Spiraltechnik verbindet traditionelles Handwerk mit moderner Formensprache.
Mehr Informationen über Klaus Titze findest du auf seiner Website: www.klaustitze.dk
Für wen ist der Korbflechten Workshop geeignet?
Der Korbflechten Workshop richtet sich an alle, die gerne mit den Händen arbeiten und ein traditionelles Handwerk praktisch erleben möchten. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Der Kurs eignet sich sowohl für Anfängerinnen als auch für Fortgeschrittene, die ihre gestalterische Praxis vertiefen oder neue Techniken kennenlernen möchten.
Willkommen sind Menschen, die Freude am Arbeiten mit Naturmaterialien haben, sich Zeit für konzentriertes Gestalten nehmen möchten und offen für neue handwerkliche Erfahrungen sind.
Warum soll ich den Korbflechten Workshop im Werkgut buchen?
Ein Workshop im Werkgut ist mehr als ein Kurs. Hier geht es nicht nur um Technik, sondern um Zeit zum konzentrierten Arbeiten, um Austausch und das Erfahren von Kunsthandwerk. Abseits des Alltags bietet das Werkgut in ruhiger Umgebung Raum, um sich auf den eigenen kreativen Prozess einzulassen.
Die Arbeit in kleinen Gruppen ermöglicht eine persönliche Begleitung durch die Kursleitung. Gleichzeitig entsteht ein offener Austausch unter den Teilnehmenden, der neue Perspektiven eröffnet und inspiriert. Viele Gäste schätzen die Kombination aus intensiver Werkstattarbeit und der besonderen Atmosphäre des Ortes.
Die Dozentinnen und Dozenten werden sorgfältig von Mikaela Dörfel ausgewählt. Entscheidend sind dabei nicht nur Ausstrahlung und Persönlichkeit, sondern vor allem Professionalität, künstlerische Qualität und die Fähigkeit, Wissen verständlich und inspirierend zu vermitteln.
Du wirst rundum mit vegetarischer Vollpension verwöhnt und übernachtest, wie die meisten Teilnehmer*innen in schönen, gemütlichen Gästezimmern.
Wenn du den Korbflechten Workshop im Werkgut buchst, entscheidest du dich bewusst für Qualität, Ruhe und ein kreatives Wochenende mit nachhaltigem Eindruck.
Kann ich im Werkgut auch ohne Workshop Korbflechten?
Ja. Im Werkgut besteht die Möglichkeit, einen kreativen Urlaub zu verbringen und in der offenen Werkstatt selbstständig zu arbeiten. Deine Materialien und Werkzeuge musst du selbst mitbringen, aber du findest genug Raum für deine Arbeit.
Du kannst auch direkt im Anschluss zum Workshop noch deinen Aufenthalt verlängern und Zeit in der offenen Werkstatt und einer unserer gemütlichen Ferienwohnungen verbringen.
Hast du Lust, ein Wochenende lang deinen eigenen Korb zu flechten?
Dann bist du im Workshop Korbflechten genau richtig!
Aktuelle Termine, Preise und alle weiteren Informationen zum Korbflechten Workshop inklusive Übernachtung im Werkgut findest du hier:
Infos und Buchung Workshop Siebdruck
(c) Fotos: Werkgut